LAOS: NACH ZEHN TAGEN WAR SCHLUSS

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Ich hab’s probiert, mit Laos. Auf der Insel Don Det im Süden des Landes bin ich vor lauter Fadesse sogar fischen gegangen. Gefangen habe ich natürlich nichts …

 

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Die Dorfjugend hat mich um Längen geschlagen.

 

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Der erste Fang der Kleinen: Aale. Oder Schlangen. Oder was immer das Zeug ist.

 

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Zumindest dieser kleine Racker hatte Erbarmen. Er hat mir die Würmer auf die Haken getan, nachdem diese immer wieder von Fischen abgeknabbert worden waren.

 

Laos und ich sind nicht wirklich Freunde geworden. Wobei, die Formulierung trifft die Sache noch nicht ganz. Die Wahrheit lautet: Ich habe nach 10 Tagen fluchend und entnervt alles hingeschmissen und bin nach Chiang Mai im Norden von Thailand geflohen. Das mag ein wenig überstürzt gewesen sein, aber es war gut so.

Dabei ist das Land nicht schrecklich. Im Gegenteil. Ich hab hier sogar Momente erlebt, die ich später mal zahnlos und dement meinen Mitstreitern im Altersheim erzählen werde. Der Sonnenuntergang auf Don Det etwa, einer der sogenannten „4.000 Islands“ ganz im Süden von Laos, war so ein Moment. Ich am spartanisch zusammen gezimmerten Fischerfloß. Die Dorfjugend, die im sommerwarmen Mekong badet. Kein Straßenlärm (auf Don Det gibt es kaum Autos, der nächste Flughafen ist drei Busstunden entfernt), nur das Plätschern des Flusses und Bootsführer Eir, ein ehemaliger Bar-Sänger, der mit sanfter Stimme ein laotisches Lied summt, während vor uns der weite Himmel und die Wolken rot und pink zu leuchten beginnen. Das Farbspektakel war so gewaltig, dass ich kurz dachte, da wäre was Halluzinogenes in meiner Wasserflasche, Don Det ist eine ziemliche Hippie Insel, auf der Dorfstraße werden Space Cakes verkauft. Aber beim Studium des rot-pink-blauen Panoramas begann ich schliesslich zu begreifen: Die Natur bringt Dinge hervor, die könnte sich ein Mensch nie ausdenken, so facettenreich, magisch und wunderbar kitschig sind sie.

 

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Kein Filter, ich schwöre! Die Sonne geht auf Don Det tatsächlich so unter.

 

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Dämmerung am nächsten Tag, bevor wieder alles pink wurde.

 

Trotzdem … am Ende wollte ich weg. Weg aus dem einzigen Binnenstaat Südostasiens, der zwischen China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und dem ehemaligen Burma eingezwickt liegt. Weg von den Laoten, die ich ab Tag 1 insgeheim in „Phlegmoten“ umgetauft hatte, ein Blendwort aus „Phlegmaten“,  „Chaoten“ und „Laoten“.

An dieser Stelle höre ich schon Hansi laut aufschreien. Hansi heißt eigentlich Johanna. Eine flotte 60-Jährige aus Wien, die das Wort „Pension“ nicht in den Mund nehmen will, lieber sagt sie, sie sei seit einem Jahr „freischaffend“, das klingt weniger nach Friedhof oder „komposti“, wie sie es nennen würde. Jedenfalls: Hansi habe ich in Tansania, auf meinem ersten Weltreise-Stopp, kennengelernt. Als wir meine Route diskutierten, meinte sie: „Lass uns im Sommer in Laos treffen, da wollte ich eh schon immer mal hin.“ Also haben wir die Hauptstadt Vientiane als Treffpunkt vereinbart. Und Hansi merkte bald nach der Landung, das wird nicht einfach werden – mit mir, ihr und den Phlegmoten.

 

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Gestatten: Hansi, die eigentlich Johanna heißt, aber keiner so nennt. In Laos‘ Hauptstadt Vientiane ein paar Opfergaben für die Götter abzulegen, damit der Trip keine bösen Überraschungen birgt, kann nicht schaden, dachte sie.

 

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„Das Wort Phlegmoten ist gemein“, gab sie mir am ersten Abend einen tadelnden Klaps auf die Schulter. „Die sind nicht phlegmatisch, die sind halt so.“

Wir hatten den Hausmeister des Hotels gerufen, weil eine riesige Spinne auf der Wand in unserem Zimmer saß. Kein dürrer Weberknecht, ein dickes, haariges Exemplar, das man nachts nicht über sein Gesicht laufen lassen möchte. Der Hausmeister begutachtete den ungebetenen Mitbewohner unbeeindruckt, dann schlurfte er in die Küche, um mit einer Grillzange (!) aus Holz wieder zu kommen.

„Damit will er das Viech ernsthaft fangen?!“, flüsterte ich Hansi zu.

Abwarten! Vielleicht ist das eine spezielle laotische Spinnenfang-Technik“, gab sie hoffnungsfroh zurück.

Schnell zeigte sich: Das mit der Grillzange war weder technisch raffiniert noch sonst wie durchdacht. Als sich der Hausmeister der Spinne klappernd näherte, flitzte diese natürlich, so schnell konnte man gar nicht schauen, hinter die nächste Kommode. Und der Hausmeister fuhrwerkte mit dem Grillutensil lustlos dahinter herum.

„No see no more“; sagte er schließlich achselzuckend.

Schlafen mit Monster-Spinne? Hmm. Am Ende zogen wir in ein neues Zimmer um, wo ich unsere Wertsachen in den Zimmersafe einschließen wollte. Hansi reist noch nach alter Schule, mit einem dicken Bündel Bargeld zum Wechseln im Gepäck.

„Ähem … Hansi, schau mal. Ich fürchte, da willst du deinen Zaster nicht einschließen.“

„Warum?“, fragte  sie.

Ich zeigte wortlos auf den Safe. Ein standardmäßiger Zimmertresor mit Zahlen-Tastenfeld. Was allerdings nicht so standardmäßig war, war die Befestigung. Es gab keine, der Safe stand lose im Kasten herum, nur darauf wartend, befüllt von einem Dieb rausgetragen zu werden. Robbery-to-go quasi.

„Wir könnten ihn ja als Handtasche nehmen, du musst nur noch einen Henkel dranmachen, das sieht sicher chic aus“, grinste ich. Und Hansi stellte triumphierend fest: „Ha, alles was ich vorab gelesen habe, stimmt.“ Sie hatte sich zum Einstimmen auf die Reise eine Krimibuchserie, die in Laos spielt, besorgt. „Dort wird herrlich beschrieben, wie die Laoten sind: Nett, aber konfus. Bemüht, aber eben auch ein bisschen patschert. Sie sind fast kindlich naiv.“ 

„Sie sind Phlegmoten“, meinte ich.

„Ach, du bist viel zu kritisch, du junges Ding“, schimpfte Hansi mich.

Den Satz hat sie noch öfter gesagt. Mag sein, dass Hansi Recht hat. Wobei das so klingt, als wäre ich eine verwöhnte Reiseprinzessin, die beim kleinsten Problem den Koffer hinschmeißt, weil sie erwartet, dass einem schon am Flughafen der rote Teppich ausgerollt wird und jeder vor einem buckelt. So ist es nicht, im Gegenteil. Aber wer Thailand als Reiseland kennt, wird sich mit Laos schwer tun. Zum einen, weil es landschaftlich nicht ganz so beeindruckend ist wie der Nachbar. Okay, das ist jetzt schwer subjektiv, das Land hat durchaus atemberaubend schöne Ecken (siehe unten), aber Backpacker, die mir über den Weg gelaufen sind, haben die Sache ähnlich gesehen: In Laos gibt es kein Meer (Binnenstaat, no na) und der Mekong ist zu dieser Jahreszeit braun und trüb. Dazu kommt: Gut 50 Prozent der Landfläche fallen für Besuche flach, da der Boden mit Minen und (noch) nicht gezündetem Kriegsmaterial aus dem Vietnam-Krieg gepflastert ist. Zwischen 1964 und 1973 wurden von den Amis 2 Millionen Tonnen Bomben über Laos abgeworfen, bis heute töten hochgehende Blindgänger laotische Bauern. Jene Regionen, die sicher bereist werden können und auch halbwegs was hermachen, sind meiner Meinung nach überschaubar. Vientiane, die Hauptstadt, ist ganz nett mit ihren französischen Kolonialgebäuden, den kleinen Shops und Galerien, es gibt täglich einen Night Market, es ist eine der wenigen südostasiatischen Städte, die man zu Fuß erkunden kann. Don Det – perfekt für ein paar Tage, wenn man es recht ursprünglich mag. Luang Prabang – gut für alle, die noch nicht genug Tempel gesehen haben. Das war’s dann aber auch schon wieder.

 

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Nur damit keiner sagt, ich sei eine undankbare Reiseprinzessin. Laos hat wunderschöne Ecken – wie etwa diese hier …

 

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… oder diese …

 

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Zum Niederknien, das Mädchen.

 

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Obwohl der Mekong im Juni braun und sumpfig ist (im Winter wird er angeblich blitzblau), der Ausblick ist fantastisch.

 

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Ebenfalls magisch: die wilden Wasserfälle. Dazwischen fischen seelenruhig ein paar Jungs.

 

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Tempel, immer wieder Tempel.

 

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Manchmal findet sich auch ein Hausschwein.

 

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Oder es marschiert plötzlich ein Truthahn vorbei.

 

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Attention, cows crossing!

 

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Überall finden sich Schmetterlingsflügel. Die Falter schwirren zu tausenden durchs Land, ich hab noch nie so viele Schmetterlinge wie in Laos gesehen.

 

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Die Hauptstadt Vientiane ist recht kolonialistisch angehaucht. Laos war Teil von Französisch-Indochina, die Franzosen investierten allerdings mehr in Vietnam was die Entwicklung stagnieren ließ.

 

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Auf der Floßpromenade in Vientiane wird jeden Abend gratis Aerobic angeboten. Mit viel Musik und einem wild auf und ab hüpfenden Trainer, der Anweisungen in sein Headset schreit.

 

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Schräg: Fürs lokale Bier wird mit einem blonden Farang und lückenhaftem Englisch geworben.

 

Dazu kommt: Service isn’t their success. Als Tourist steht man in Laos oft ratlos und verloren da. Zum einen weil Busse oder andere Transporte völlig undurchsichtig organisiert sind. Oft muss man nach 300 bis 400 Kilometern irgendwo in einer namenlosen Stadt umsteigen. Was an sich kein Problem darstellt, bloß: An den Haltestellen ist kein Anschluss-Bus zu finden.

„Other company, not here,“ kriegt man dann zu hören, obwohl auf dem Ticket nicht ausgewiesen ist, dass es sich um unterschiedliche Busunternehmen handelt, die Fahrkarte wird nach Zieldestination verkauft.

Auf Nachfrage „Wo muss ich denn dann hin?“ wird meist vage in eine Richtung gezeigt.

 

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Der Nachtbus. 20 (!) Außenspiegel, dazu viel Bling-Bling in Form von Reklame und Leuchtdioden. Der Fahrpreis von 22 Euro pro Person für 800 Kilometer rentiert sich nur, weil die Busse nebst Passagieren bis oben hin mit Paketen, Autoteilen oder sogar ganzen Motorrädern angeräumt werden.  Hansi und ich nannten die Gefährte Schmuggelbusse. Ich fürchte, das waren sie auch. Laos ist durch seine Binnen-Lage immer schon ein Schmugglerland gewesen.

 

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Die Schlafkojen. Zwei Personen auf engstem Raum, egal ob man sich kennt oder nicht. Kein Vorhang, keine Privatsphäre. Macht aber nichts, ist eh stockdunkel. Decken und Polster werden zur Verfügung gestellt, einen leichten Seidenschlafsack mitzuhaben, ist nicht die dümmste Idee.

 

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Am nächsten Morgen sahen wir leicht irre aus. 10 Stunden Holterdipolter-Fahrt durchs Land sind nicht gut für die Optik. Dafür gibt’s halbnackte Backpacker-Typen zum Aufstehen.

 

Englisch ist nicht sehr verbreitet, oft ist es den Leuten aber auch schnurzpiepegal, wo man bleibt. Other company, nicht mehr ihr Bereich, so einfach ist das.

 „Die sind quasi noch immer im Kommunismus mit ihrem Ein-Parteien-System,“, gab sich Hansi versöhnlich, wenn wir wieder mal ignoriert wurden. „Bei so einer Vergangenheit kannst du keinen Service oder kein Verantwortungsgefühl erwarten.“

„Hansi, wir haben lediglich nach der Busnummer gefragt! Es ist der Job der Leute am Busbahnhof, uns zu verraten, wo wir hin müssen.“

„Ach, sieh das nicht so eng. Am Ende klappt es ja eh immer.“

Hansi erinnerte mich an dieser Stelle an den Tuk Tuk Fahrer vor ein paar Tagen. Wir wollten Irawadi-Delfine schauen gehen. Das sind spezielle Exemplare mit breiter Schnauze, nicht wirklich hübsch, eine gefährdete Art, spärliche acht Tiere schwimmen noch im Mekong vor Don Det. Um zu den Viechern zu kommen, haben wir bei Mr. Wonderful den Transport gebucht. Der heißt nicht wirklich so, sein Stand auf der der Dorfstraße nennt sich nur Wonderful Tours. Er war uns von an Anfang an sympathisch, trotz seiner Hardcore-Knoblauchfahne. Für 20 Euro pro Person hat er uns einen Minibus und ein Boot gecheckt. Obendrauf gab’s gratis Abenteuer. Denn der Minibus kam nie.

„Das Auto ist heute eingegangen“, überbrachte Mr. Wonderful die wenig wundervolle Nachricht. Ein paar Handy-Telefonate später hatte er ein klappriges Tuk Tuk aufgestellt, der Fahrer sprach kein Wort mit uns, aber er lächelte zumindest.

Mit ihm brausten wir – Staub und Fahrtwind um die Nase – ans andere Ufer. Na ja, zumindest fast. Denn zwei Kilometer vor dem Ziel riss die Kette seines Motorrads und wir kamen schlitternd in der laotischen Pampa zum Stehen. Auch ohne Mechaniker-Ausbildung war zu sehen: Die Kette war nicht mehr zu retten.

 

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Das wird nichts mehr: Die Motorradkette ist gerissen, mitten in der laotischen Pampa.

 

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Mal überlegen. Unser Tuk Tuk Fahrer hat einen Plan.

 

„Was jetzt?“, fragten wir.

Unser Fahrer ging erstmal entspannt pinkeln.

Wer liebt, der schiebt. Also begannen wir das Tuk Tuk, vor uns her zu rollen. Zwei Kilometer scheinen keine lange Strecke, aber in Laos hat es derzeit 40 Grad und gefühlte 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich schwitze selten, niedriger Blutdruck, sagt der Arzt. Aber hier bin sogar ich zerflossen, Hansi geht mittlerweile überhaupt nur noch mit einem Schweißtuch außer Haus. Die Schieberei war Selbstmord, nicht nur für eine flotte 60-Jährige, das sah der Fahrer auch.

„Go!“, meinte unser Begleiter plötzlich und deutete auf einen Lastwagen, der sich uns näherte. Der Wagen hatten haufenweise Ziegel und zwei Bauarbeiter geladen.

„Wir sollen auf den Truck steigen?“

„Yes. Go!“, hielt unser Tuk Tuk Mann den Lastwagen an.

Doch Anstalten, die Ladeluke zu öffnen, machten der Fahrer keine. Und auch die hoch oben thronenden Bauarbeiter reichten keine Hand. Wir mussten die drei Meter hinauf klettern und plumpsten wie ächzende Walfische auf die Ladefront, bevor wir in Richtung Delfine brausten.„Auch wenn vieles schief geht, es funktioniert trotzdem irgendwie“, sinnierte Hansi, die ewige Optimistin, am Bautruck zufrieden. Sie sollte Ehrenbotschafterin des Landes werden. Egal, was auch passiert, die Gute hat eine versöhnliche Erklärung für Laos parat.

 

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Die Bauarbeiter haben Zusatzpassagiere bekommen und finden das nicht so toll. Zumal die ausländischen Deppen auch noch Fotos machen.

 

„Die Leute haben vielleicht noch Animositäten aus der Kolonialzeit in sich drin“, meinte sie etwa, wenn sie wieder mal von der halben Dorfgemeinschaft in Don Det angeschwiegen wurde. Jedem hatte sie ein freundliches „Sabaidee“(Laotisch für „Hallo“ und „Tschüß“) entgegen geschmettert, zurück kam wenig bis nichts. Nur feindseliges Starren.

„Hansi, ich will ja nix sagen, aber der Typ, dem unsere Unterkunft gehört, ist ein verdammter Belgier. Nicht mal der hat es für nötig befunden, Hallo zu sagen. Er stand vor uns, hat seinem Angestellten den Schlüssel in die Hand gedrückt und auf den Boden geschaut.“

„Ach, der lebt schon 14 Jahre in Laos, der denkt mittlerweile wie die Leute hier“, analysierte Hansi und ging unverdrossen lächelnd weiter. Am Ende des Aufenthalts hat sie dem wortkargen Hotel-Chef sogar gesagt, wie wunderbar alles gewesen sei in seinem Haus.

„SO wird sich nie was ändern“, keppelte ich.

„Doch, das wird schon. Ich glaube, der braucht nur Motivation.“

Mein persönliches Highlight ihrer Verteidigungs-Strategie in Sachen Laos war aber folgende: „Vielleicht dachte die Kellnerin ja, ich möchte nur kurz schauen“, überlegte Hansi, nachdem sie zehn Minuten in einem kleinen Imbiss gesessen hatte, ohne auch nur mit dem Arsch angeschaut zu werden. Die Bedienung war viel zu sehr damit beschäftigt, am Handy zu schäkern.

„Hat sie dich reinkommen gesehen?“

„Ja“.

„Hatte sie viele Gäste?“

„Nein, ich war die einzige im Lokal.“

„Wieso bist du überhaupt so lange sitzen geblieben, wenn sie dich ignoriert? Ich wäre nach fünf Minuten wieder abgerauscht.“

„Ach, du bist zu streng.“

Nach zehn Tagen wollte ich nicht mehr. Ich hatte genug von der sengenden Hitze, dem Staub, dem Schweiß, der Herumfahrerei, dem mühsamen Bussystem und den teilweise recht verschlossenen Leuten. Mir fehlten beschauliche Plätze zum Durchatmen. Und ein bisschen fehlte mir auch das Alleinsein. Durch das lange Reisen bin ich zum Einsiedlerkrebs mutiert. Ich merke immer mehr, wie Frustration in mir hochsteigt, wenn ich mich nach anderen richten muss und ich meinen eigenen Rhythmus gestört sehe. Da bin ich ganz schnell weg. Ich liebe es, in der Früh aufzuwachen und nicht reden zu müssen. Ich plaudere beim Reisen generell nicht viel, dafür rattert es in meinem Hirn zu sehr. In meinem Kopf ist es sehr laut (okay, das klingt jetzt verrückt, das seh ich selber, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Nur soviel: Die Resozialisierung wird schwer werden).

Hansi, ich glaube, das ist nichts für mich,“ hab ich beim Abendessen am Mekong herumgedruckst. „Sei mir nicht böse, aber ich werde nach Chiang Mai abhauen. Da ist die die Kulturhauptstadt Thailands, da gibt es Elefantencamps, Mediation bei Mönchen und die Thais sind nett.“

Hansi hat es verstanden. Sie ist in Laos geblieben, sie eine der coolsten Alten, die ich kenne. Dass mit „die Alte“ ist als Kompliment gemeint.

„Wirst schon sehen“, hat sie beim Abschied lachend gesagt. „Die Laoten werden mich am Ende noch mit einer Sänfte herumtragen und jeder wird mich freundlich grüßen, die brauchen nur Zeit.“

„Schick ein Beweisfoto, wenn’s passiert“, umarmte ich sie am Flughafen zum Abschied.

 

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Been there, Don Det. War aber nicht meins. Das beste Foto zum Abschied. 🙂