Fragen über Fragen?

Theworldisenough

 

Q: Warum eine Weltreise?

A: Ganz ehrlich? So genau weiß ich das gar nicht. Fakt ist: Es gibt ein Bauchgefühl. Und das sagt mir: Wenn ich’s nicht mache, werde ich’s bereuen und als alte Frau irgendwann mal frustriert auf einer Parkbank auf Tauben und kleine Kinder schimpfen. Und das wär blöd. Denn ich will eine nette alte Frau sein, die sich freut über die Parallel-Universen, die sie entdecken durfte. Nein mehr noch: Ich muss eine nette, alte Frau sein. Gerade im Alter ist man auf Nettigkeiten angewiesen, sonst wird´s irgendwann mal eng.

Q: Warum der Blog-Name theworldisenough.net

A: Es gibt da diesen James Bond  Film mit Pierce Brosnan aus dem Jahr 1999. Ich selbst hab ihn nie gesehen. Aber offenbar jeder sonst in diesem Universum. Denn wenn’s darum geht, kundzutun, dass man mehr vom Leben will, kriegt man mit schöner Regelmäßigkeit den Spruch „Die Welt ist nicht genug“ zu hören. Ich hab mir sagen lassen: „Orbit non sufficit“ ist James Bonds’ Familienmotto. Das nimmt der Herr offenbar so ernst, dass er einer Frau, die ihm die Welt zu Füßen legen will, mit sonorer Stimme erklärt: „Die Welt ist nicht genug“.

Geht’s noch?!

Natürlich ist die Welt genug. Es ist sogar so viel Welt da, dass man es gar nicht schafft, sie sich in einem Leben anzuschauen, auch wenn man seine gesamte Existenz und Zeit nur dem Reisen widmen würde. Insofern: The world is enough. Just go and see it. Das hab ich jetzt mal vor. Zumindest für einen kleinen Teil dieser Welt.

Q: Wie lange soll dieser Selbsterfahrung-Trip dauern? 

A: Geplant sind 11 Monate, von Oktober 2015 bis September 2016. Das Ganze ist praktisch gedacht: Eine Auslandsreiseversicherung für 11 Monate ist um ein ordentliches Stück günstiger als eine für 12 Monate. Außerdem bin ich nicht wahnsinnig gut im Sparen und mich Einschränken. Soll heißen: Bei 11 Monaten on the road erlaubt mein Budget auch kleine, unvernünftige Dinge, ohne dass mein Bankberater hyperventilieren muss (was schade wäre, mein Bankberater ist nämlich ein sehr freundlicher und zuvorkommender Mann). Und: Zur Jobsuche ist eine Rückkehr im September vom Zeitpunkt her auch von Vorteil.

Q: Wohin soll’s gehen?

Tanzania. Kapstadt. San Francisco. Hawaii. Buenos Aires. Rio. Sydney. Tokio. Bangkok (als Anlaufstelle für Südostasien). Paris. Lissabon. Und ab nach Hause. Ich hasse es, zu frieren. Also ist geplant, mit der Sonne zu reisen. Nur San Francisco fällt klimatechnisch raus. Aber das ist seit Jahren eine Herzens-Destination (irgendwie bilde ich mir ein, da wartet was auf mich, obwohl ich noch nie dort aufgeschlagen bin) und außerdem ein guter Stopp vor Hawaii. Wird schon klappen. Und falls doch Blasenentzündung oder Keuchhusten drohen: Meine Reiseapotheke ist groß genug, um eine Klinik unter Palmen oder der Golden Gate Bridge aufzumachen.

Q: Was ist mit dem Leben in Wien?

A: Das geht erstmal ohne mich schön weiter. Meine Wohnung ist für 1 Jahr an eine sympathische Irin untervermietet, die mich beim Besichtigungstermin sogar gefragt hat, welche Geschirrspüler-Tabs sie verwenden soll, um ja alles richtig zu machen (Jackpot!). Meinen Job hab ich gekündigt, mein Auto verkauft, meine private Krankenversicherung ruhend gestellt, sieben Kisten mit Klamotten und Schuhen im Keller einer Freundin eingelagert. Das war´s auch schon: Es ist erstaunlich, wie schnell man sein altes Leben auflösen und alles auf Anfang setzen kann.

Q: Wie viel Gepäck kommt mit?

A: Ein Koffer. 23 Kilo. Und eine Laptoptasche. Die Fluggesellschaften kennen da kein Pardon. Und haben auch kein Erbarmen für mein „Was zum Teufel zieh ich an?“ Dilemma. Denn diese schlammgrünen Multifunktionshosen mit Reissverschluss kommen mir nicht ins Gepäck. Ich will aussehen wie ich. Maxikleider. Sandalen. Esapdrilles. Jacke. Von mir aus auch Jeans, obwohl mein Becken zu gebärfreudig gebaut ist, um in einer Röhre eine gute Figur zu machen. Eine Schummelei sei mir dennoch vorab erlaubt: Nachdem San Francisco mit Reisedatum Dezember die einzig kühlere Destination auf meiner Reise ist, hab ich mir dorthin vorab eine Kiste mit Winterjacke, Kaschmirhaube und ein paar langärmeligen Kleidern schicken lassen (Silicon Valley Millionäre, here I come. Grins). Mal schauen, ob die dort am Ende entsorgt werden oder für unnötig viel Geld postalisch nach Wien zurückfinden.

Q: Im Urlaub sterben durchs Nichtstun Hirnzellen ab, heißt es. Keine Angst, während der Auszeit zu verdummen? 

A: Mal schauen. Unterfordert werden meine kleinen grauen Zellen jedenfalls nicht sein. An dieser Stelle sei erwähnt: Ich besitze so gut wie keinen Orientierungssinn. Sollte mich jemand los werden wollen, muss  er mich nur irgendwo aussetzen – ich finde garantiert nicht mehr zurück. Das liegt nicht in der Familie, das liegt an mir. Wobei ich ja überzeugt bin, dass da bei der Geburt was falsch gelaufen sein muss. Wahrscheinlich hat mich die Hebamme zehnmal im Kreis gedreht oder mit einem Magneten über mir rumgefuchtelt. Anders ist es nicht zu erklären, dass jeder natürliche Kompass bei mir verloren ist. Und nein, Google Maps und die iphone Navigation helfen nur bedingt. Ich bin auch in Sachen Technik ein hoffnungsloser Fall.

Q: Kommt ein Glücksbringer mit auf Reisen?

A: Nein, nur Yoko Ono. Also nicht leibhaftig, ihr Buch „Grapefruit“ kommt mit. Das hab ich mir im MoMa in NY für 150 Dollar gekauft, obwohl’s von extrem dürftiger Druckqualität ist. Was drin steht? Aufforderungen wie „Geh mit einem leeren Kinderwagen einen Tag lang durch die Stadt und schau, was passiert.“ Oder: „Versuch einen Tag lang nichts Negatives über andere Menschen zu sagen.“. In anderen Worten: Yoko Ono ist Hirnnahrung. Und Inspiration. Obwohl ich nicht vorhabe, eine Band auseinander zu bringen.

Wobei, man weiß ja nie ….

A book full of nourishing ideas

Yoko Onos Grapefruit. Weil Fantasie manchmal wichtiger als das Ereignis selbst ist.

Throw a stone into the sky high enough so it will not come back

Throw a stone into the sky high enough so it will not come back

Keep laughing a week

Keep laughing a week

Cut a hole in a bag filled with seeds of any kind and place the bag where there is wind.

Cut a hole in a bag filled with seeds of any kind and place the bag where there is wind.

Q: Was soll die Reise bringen? 

A: Ich halte es da mit dem Dalai Lama, der sagt: „Übermäßige Erwartungen bringen immer Probleme mit sich“. Klar, der Typ ist offiziell erleuchtet. Der redet sich leicht. Aber er hat Recht. Je mehr man sich erträumt, desto leichter ist man am Ende enttäuscht. In der Idealvorstellung verliebe ich mich unsterblich in einen Ort und in einen tollen, großen Mann mit weißblitzenden Zähnen und dem Herz am rechten Fleck. Eat. Pray. Love. Das volle Programm, mit Hollywood-Hintergrundmusik. Wird´s nur so nicht spielen. Wenn ich mich in den 11 Monaten jeden Tag zumindest einmal wirklich von Herzen freuen kann und gut esse, bin ich zufrieden. Und wenn ich am Ende der Reise sagen darf, mein Hirn hat sich durch die neuen Eindrücke und Begegnungen ein Stück weiter entwickelt, ist alles gut. Wobei genau genommen ist es das jetzt schon. Die Reise ist quasi nur ein Zusatzbonus.